Welche Aufgaben haben eigentlich Faszien?

Die Aufgaben der Faszien

Trotz des jahrelangen Schattendaseins der Faszien haben diese ein paar grundlegende Fähigkeiten ohne die unser Überleben nicht möglich wäre. So ermöglichen sie z.B. durch ihre enorme Gleitfähigkeit, das von einander unabhängige Bewegen verschiedener Elemente in unserem Körper. Das bedeutet ohne die Faszien könnten sich Muskeln, Organe, Knochen usw. nicht im Einzelnen bewegen. Wir wären steif wie ein Brett. Gleichzeitig aber bildet dieses Bindegewebe auch unsere Grundmatrix ist also Formgebend und überwiegend dafür verantwortlich, dass wir uns aufrecht halten können. Unser Erscheinungsbild wird übermäßig durch den Zustand unserer Faszien bestimmt. Sie halten Muskeln, Organe, Knochen etc. an Ort und Stelle. Allerdings ist dies nicht unveränderlich. So passen sich Faszien immer den unterschiedlichen Belastungen unseres Körpers an, ob diese nun gut oder schlecht für uns sind.
Im Weiteren wird unsere Lymphe zwischen den Faszien abgeleitet. Diese Flüssigkeit transportiert sowohl Abbau- und Gift- bzw. Schadstoffe aus unseren Zellen, als auch wichtige Aufbaustoffe zu den Zellen. So beeinflussen Faszien unser Immunsystem wie auch unseren Stoffwechsel.

Die enorme Nerven und Rezeptoren Anzahl welche allesamt mit einander in Verbindung stehen, macht aus diesem riesigen Geflecht ein einziges Sinnesorgan welches unsere Körperwahrnehmung bedeutend prägt. So können sich zum Beispiel Spannungen und Unbeweglichkeiten in andere Körperteile übertragen. Darum müssen Rückenschmerzen nicht zwangsläufig auch direkt mit dem Rücken zu tun haben. Die Ursache kann deutlich darunter oder darüber liegen. Auch unsere Beweglichkeit wird maßgeblich von den Faszien bestimmt. Ob jemand den Fuß hinter den Kopf bekommt oder den Daumen an den Unterarm beugen kann liegt an der Elastizität der Faszien. So besitzen, beispielsweise Schlangenmenschen, ein hypermobiles Faszien Gewebe. Jedoch birgt dies auch seine Tücken. Mit voranschreitendem Alter und stetigem Abbau der Muskulatur verliert der Körper an Spannung. Oft hat die Hypermobilität der Faszien zur Folge, dass die Menschen später an starker Arthrose leiden und so zu sagen in sich zusammen fallen.

Zu guter Letzt haben Faszien aber eine entscheidende Aufgabe welche uns Menschen zum ausdauerndsten aufrecht gehenden Läufer auf diesem Planeten macht. Ihre überragende Rolle bei der Energiespeicherung ist jedoch nicht nur bei uns Menschen festzustellen. Dazu muss man verstehen, dass sich Faszien wie eine Feder verhalten. Sie können sich spannen und katapultartig wieder lockern. Dies lässt sich besonders deutlich bei Antilopen oder beim Känguru beobachten. Diese Tiere sind in der Lage drei Meter hoch und bis zu zehn Meter weit zu springen, beim roten riesen Känguru sind es sogar 13 Meter. Das kommt daher, dass die Achilles Sehne besonders lang und dehnbar ist. Diese elastische Sehne verbindet Muskel und Knochen über das Gelenk hinweg und verleiht dem Tier die enorme Sprungkraft. Beim Abheben ist sie entspannt und hat ihre kürzeste Länge. Wenn das Tier dann mit Schwung und seinem eigen Gewicht wieder auftrifft, wird sie maximal gedehnt, wie ein gespanntes Gummiband. Sie verlängert sich um etwa 5%. Durch die Dehnung nimmt die elastische Sehne Energie auf. Beim Absprung schnurrt sie wieder zusammen und die Energie wird frei. So nutzt das Känguru immer wieder neu die Energie aus der Bewegung. Muskelenergie wird hier kaum verbraucht. Dieses Prinzip erlaubt es bis zu 93% der aufgebrachten Energie wieder zu verwerten. Dabei gilt, je elastischer die Faszien im Körper, umso mehr Energie wird erzeugt und übertragen.

Beim Menschen wird beispielsweise im Fuß das Bindegewebe gedehnt sobald wir mit dem kompletten Körpergewicht auftreten. Insofern die dortigen Faszien gut ausgebildet sind werden infolge der Gewichtsverlagerung auf diesen Fuß, die Ballen und die Verse ein Stück weit auseinander gedrückt, da sich das Fußgewölbe absenkt. Durch diesen Vorgang werden die Faszien gedehnt, sie speichern die entstehende Energie und sind vorgespannt. Beim weiteren Verlagen infolge des Gehens ziehen die Ballen und die Versen wieder zusammen und die Energie wird wieder freigesetzt. Solange bis der Prozess von vorn beginnt. Dieses Effiziente Prinzip der Energiespeicherung gilt jedoch nicht nur für die Faszien im Fuß sondern für alle im Körper. So gibt es bei jeder federnden Bewegung eine aufladende und eine darauf folgende entladende Phase. Genau wie beispielsweise beim Werfen. Auch hier werden die Faszien vorgespannt, indem der Arm nach hinten verlagert und anschließend entladen indem er nach vorne katapultiert wird.