Warum verkleben Faszien und was sind die Folgen davon

Bei all den sensationellen Fähigkeiten der Faszien ist es doch verwunderlich warum dieses Gewebe verkleben ja sogar verfilzen kann. Zumal die damit verbunden Schmerzen unseren Alltag enorm einschränken können.
Es gibt mehrere Gründe weshalb Faszien verkleben. Die wohl entscheidendsten Faktoren sind Bewegungsmangel sowie falschen Gebrauch der Muskulatur. Wie bereits erwähnt wird die Lymphe zwischen den Faszien transportiert.
Dies wird bestärkt durch muskuläre Bewegung. Wenn nun also der Muskel sich nicht bzw. falsch bewegt kann es dazu kommen, dass die Lymphe nicht problemlos fließen kann. Falls es zu einem Stau der Lymphe kommt verkleben die Faszien intensiv miteinander.

Das Verfilzen liegt aber darin begründet, das sich Faszien auch nur entwickeln und erneuern wenn sie benutzt werden. Unter Bewegung werden sie ständig gedehnt und entspannt, dabei saugen sie sich immer wieder mit Flüssigkeit voll, erneuern ihre Strukturen und passen sich der jeweiligen Belastung an.

Sobald man sie aber nicht mehr beansprucht werden sie brüchig und trocken. Ähnlich wie bei einem Gummiband oder einer Gitarrenseite brechen diese bei der kleinsten Erschütterung, nachdem sie zu lange nicht mehr benutzt wurden. Darum sind Schonhaltungen nach Verletzungen häufige Faktoren für Verfilzungen und damit verbundene Schmerzen.
Aber auch Operationen können die Faszien beeinflussen. Durch das zerschneiden des Gewebes entstehen Unterbrechungen in der ganzheitlichen Hülle. Beim Zusammenwachen können nun ebenfalls Verfilzungen entstehen.
Zu guter Letzt kann Stress ebenfalls großen Einfluss auf den Zustand unserer Faszien haben.

Untersuchungen der Uni Ulm haben ergeben, dass Stresshormone Faszien unter Spannung bringen. Das Gewebe beginnt sich zusammen zu ziehen sobald es mit den entsprechenden Hormonen in Kontakt gerät. Interessanter Weise wirkt dieses Verhalten auch anders herum. Stehen unsere Faszien unter hoher Spannung, fühlen wir uns gestresst und finden keine innere Ruhe.

Oft ergibt sich hieraus ein Kreislauf der den Spannungstonus permanent erhöht. So ist man gestresst wenn man verspannt ist und verspannt wenn man gestresst ist.
Das verkleben der Faszien hat außer dem erhöhten Spannungstonus einige weitere gravierende Folgen. Wie bereits erwähnt gliedert das Bindegewebe alle Elemente des menschlichen Körpers. Durch verkleben und verfilzen verliert das Gewebe an Gleitfähigkeit. Folglich wird der Körper unbeweglich. Wenn nun an der Verklebung gezerrt wird, beispielsweise durch Bewegungen, entstehen Schmerzen begründet in der hohen Nerven- und Rezeptorendichte.

Man kann sich das in etwa so vorstellen wie Fäden zwischen Wand und Tapete wenn diese nach dem Leimen wieder von einander gelöst werden. Der Aspekt des Schmerzes ist besonders Interessant hinsichtlich der Tatsache, dass 61,8 % der deutschen an Rückenschmerzen leiden und davon nur rund 20% eine diagnostizierbare Ursache haben. Diagnostizierbar bedeutet in diesem Fall, die Ursache liegt entweder am Muskel, am Wirbel oder an der Bandscheibe jedoch. 80% der Rückenschmerzen lassen sich also nicht den oben genannten Ursachen zuschreiben. Die Faszien könnten jedoch einen großen Anteil ausmachen.

Auch unser Immunsystem verliert an Stärke sobald unsere Faszien verklebt sind. Durch den mangelhaften Transport der Lymphe gelangen keine wichtigen Aufbaustoffe mehr zu den Zellen und der Abtransport von Abfall und Giftsoffen kommt zum erliegen. So vergiften die Zellen nach und nach und können sich nicht regenerieren. Außerdem baut unsere Beweglichkeit ab und wir verharren in der Regel in einer ungesunden, gebeugten Haltung. Mit Fortlauf dieses Zustandes wird der Mensch immer träger und grobmotorischer. Die Faszien verlieren Stück für Stück ihre Elastizität wodurch das Verletzungsrisiko erheblich steigt.
So können schon bei normalen Bewegungen Verletzungen auftreten und bei plötzlich heftigen oder ungewohnten wie einem Sturz Muskeln und Bänder stauchen bzw. zerren. Zu guter Letzt schwindet die Energiespeicherung. Den Bewegungsapparat am laufen zu halten wird anstrengender bis sich der Mensch vor Schmerzen und Schlappheit kaum noch Bewegt und somit alles um ein vielfaches Beschleunigt.